Fortbildung

Aktionsnachmittag 2012

Fortbildung >> Rückblick

DasThema "Häusliche Gewalt" stand am 25. Januar 2012 erstmalig im Mittelpunkt einer großen, gemeinsamen, zahnärztlichen Fortbildungsveranstaltung der Landes- zahnärztekammer Hessen, des zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt  von 1863 e.V.,

der zahnärztlichen Gesellschaft in Hessen und des Hessischen Sozialministeriums.

"Wir leben in einer Gesellschaft, die von einer allgegenwärtigen Gewalt infiltriert wird. Schauen wir uns z.B. Filme im TV oder Kino an, so werden wir Zeugen von Gewalt, auch in den Nachrichten werden wir mit alltäglicher Gewalt konfrontiert und sicher auch im häuslichen, nachbarschaftlichen Umfeld, sowie in der zahnärztlichen Praxis" – so die einleitenden Worte von Dr. Giesbert Schulz-Freywald.

Dr. Schulz-Freywald  

 

Frau Nancy Gage-Lindner vom hessischen Sozial- ministerium stellte in ihrem Beitrag heraus, dass es von großer Wichtigkeit ist, Netzwerke zu bilden, um dem sensiblen Thema mehr Raum zu geben.Sie begrüßte es außerordentlich, dass sich die Zahnärzte und ihre Mitarbeiterinnen die Zeit nahmen, um sich auf einer solchen Veranstaltung zu informieren. In Vertretung des Schirmherren der Veranstaltung, des Hessischen Sozialministers Stefan Grüttner, stellte sie dar, was die Landesregierung an Fördermaßnahmen in spezifischen Einrichtungen, der Polizei und wissenschaftlichen Institutionen bereit stellt und das die Gewaltprävention im Mittelpunkt der Bemühungen steht.

 
Nancy Gage-Lindner

Im Anschluss hieran berichtete Frau Katrin Rinke und Dr. Sven Rinke über den Werdegang und die Gründung des Vereins „Wieder Lachen e.V.“

 

Von diesem Verein werden zahnärztliche Behandlungen für Opfer häuslicher Gewalt organisiert. Die meisten Betroffenen kommen über die Frauenhäuser. Mittlerweile hat der Verein 62 Praxen und 35 Labore als aktive Unterstützer. Die Leistungen im Netzwerk im Falle einer zahnärztlichen prothetischen Behandlung werden den Betroffenen geschenkt. Der Verein verteilt die Behandlungsfälle gleichmäßig auf alle Netz- werkpartner. Herr Dr. Rinke stellte in seinem Vortrag einige der Behandlungsfälle vor und sorgte für eine Überraschung. Nicht die akuten Traumata sind überproportional vertreten, sondern die Langzeitschäden.

 Dr. Sven Rinke  

 

Frau Gudrun Wörsdörfer von der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt führte aus, bei der Gewalt gegen Frauen handelt es sich oft um Vergewaltigung, körperliche Gewalt, häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung und psychische Gewalt. Die Arbeit mit den Opfern sei sehr komplex und die Betroffenen befänden sich in allen gesellschaftlichen Schichten mit und ohne Migrations- hintergrund. Die Opfer kämen häufig zeitverzögert und es mangele an einer realistischen Einschätzung der Situation. Doch muss festgestellt werden, dass Körperverletzung eine Straftat ist und sich Zivilrechtsansprüche ableiten lassen. Hierbei sind die Aussagen von Ärzten und Zahnärzten sehr aussagekräftig. Fotos untermauern die schriftlichen Befunde.
   Gudrun Wörsdörfer

 

Oberamtsanwältin Ulrica Hochstädter aus Frankfurt arbeitet seit 1998 im Sonderdezernat "häusliche Gewalt" und berichtete aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Sie stellte Zahlen vor, die einen Einblick in die Beziehungs- gewalttätigkeiten unter Erwachsenen im Bezirk FFM, MTK, HG und Bad Vilbel gaben. Eine aufsteigende Tendenz von 400 gemeldeten Fällen 1998 bis aktuell 2482 Fälle belegen die Zahlen. 60% der Delikte sind Körper- verletzungen, von denen aber nur 20% ein ärztliches Attest als Unterlage zur Anklage vorweisen können. Von den Geschädigten rufen 75% selbst die Polizei, zu 18 % sind es die Nachbarn, Verwandte und Ärzte und immerhin zu 2% die Kinder, die die Gewalt miterleben.
   Ulrica Hochstädter

 

 
Rechtsanwältin Frau Zümrüt Turan-Schnieders stellte heraus, dass mehr Opfer durch häusliche Gewalt existieren als Opfer durch Verkehrsunfälle und Krebs zusammen. Immerhin 25% der Frauen sind oder waren einmal Opfer von häuslicher Gewalt. Zu den vorangegangenen Themen, die sie nocheinmal resümierte gab es noch weitere Aspekte. Sie bentonte die Traumatisierung der Kinder durch das Erleben der Gewalt gegen die Mutter. Häufig geht es dem Aggressor um Machtausübung und Kontrolle, außerdem spielt auch die finanzielle Abhängigkeit der Opfer eine große Rolle . Jährlich fliehen 40.000 Frauen vor der häuslichen Gewalt in Frauenhäuser.
 Zümrüt Turan-Schnieders  

 

Die letzten beiden Referenten, Frau Dr. Antje Köster Schmidt und Prof. Dr.Dr.Dr. Sader beschrieben letzlich die richtige Anwendung des so oft erwähnten Dokumentationsbogens. Vorgestellt wurde auch die "DentDoCard" mit deren Hilfe man eine gewisse Handlungsroutine erzielen kann.

 
Dr. Antje Köster Schmidt   Prof. Dr. mult. Sader
   
 von Dr. Thomas Staudt  

Zuletzt geändert am: 24.02.2012 um 10:02

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