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Frühjahrsfortbildung 2013

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Frühjahrsfortbildung des Zahnärztlichen Vereins 2013
 
„Medikamentöse Problemfälle in der Praxis“, unter diesem Thema stand die diesjährige Frühjahrsfortbildung des Zahnärztlichen Vereins von 1863 e.V.
Am 27.02,2013 konnte Prof. Dr. mult. Robert Sader die Fortbildungsveranstaltung im fast vollbesetzten großen Hörsaal des ZZMK Carolinum eröffnen. Bevor er die Referenten begrüßte wies er noch mal auf den 150. Geburtstag des Vereins in diesem Jahr hin und die große Jubiläumsveranstaltung während des Deutschen Zahnärztetags am 08. November 2013 im Frankfurter Römer. Des weiteren wies er auf die gemeinsam Herbsttagung des Zahnärztlichen Vereins und der Kammer am 07. September hin, in der Prof. Dr. Roland Frankenberger von der Philipps Universität Marburg mit seiner Abteilung den Fortbildungsteil bestreiten wird.
 
Den ersten Teil der Veranstaltung bestritt Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas. Für den Mainzer Professor war es ein Heimspiel, wie er erwähnte, hatte er doch auch als Student in dem Hörsaal, viele Vorlesungen gehört. „Immer mehr - immer breiter“ so überschrieb er seinen Vortrag über die Antibiotikatherapie. 

Er begann er mit der Problematik der multiresistenten Staphylokokken aureus Stämme. Diese Stämme tragen 1,1 % der Patienten einer Zahnarztpraxis aber schon 7% der Patienten eines städtischen Krankenhauses. Die zunehmende Resistenzentwicklung ist ein immer dringender werdendes Problem, zumal die Resistenzentwicklung für Makrolide und Chinolone schneller läuft als für β-Lactam-Antibiotika. Verschärft wird es noch durch die 700t Antibiotika, die jedes Jahr in der Tiermast verfüttert werden. Oft bleibt heute nur noch Vankomycin als Ausweichmedikament.

In der Zahnmedizin, so Prof. Al-Nawas sollte Amoxicillin das Antibiotikum der

 Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas  
ersten Wahl sein, der Zusatz von Clavulansäure sei nur bei kritischen entzündlichen Prozessen notwendig. Clindamycin sei führend bei den gastrointestinalen Nebenwirkungen und daher das Präparat der 2. Wahl. Das früher bei Penicillinallergie häufig verordnete Makrolid Erythromycin können heute wegen der bekannt schlechten Aufnahme nicht mehr empfohlen werden. Tetracycline wirkten schlecht gegen Anaerobier und die in der Parodontologie favorisierte Metronidazol sei wegen der ungeklärten Kanzerogenität kritisch zu sehen.
Für die Endokarditis Prophylaxe, die Prophylaxe für Endoprothesen für die ersten 12 Monate nach OP und die Infektionsprophylaxe bei ausgedehnteren chirurgischen Eingriffen trifft das Motto „Hit them short and hard“ die aktuelle Therapieempfehlung, also ein ausreichender Spiegel vor dem Eingriff. Dies gelingt zum Beispiel mit 2g Amoxicillin 1 Stunde vor dem Eingriff. Die lange empfohlen 2. Gabe nach dem Eingriff sei wissenschaftlich nicht gesichert, so Prof. Al-Nawas, in der Mainzer Kieferchirurgie wird inzwischen darauf verzichtet. Für die aktuellen Empfehlungen empfahl er auch den Blick auf Homepage der DGZMK http://www.dgzmk.de . Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die präoperative Spülung mit Chlorhexidin, die Infektionsrate nach Eingriffen senkt, so schloss Prof. Al-Nawas seinen spannenden Vortrag.
 
Danach trat Prof. Dr. Dr. Knut Achim Grötz vor das Auditorium um über die Neuerungen bei der Prophylaxe der Bisphosphonat assoziierten Kiefernekrose (BONJ). Zuerst verwies er auf die neue S3 Leitlinie die zum ersten Mal einen Konsens zwischen den „Bisphosphonat-Verordnenden“ und den „Mundhöhlen-Betreuenden“ die unter http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/007-091.html einzusehen ist. Das Risiko nach einem zahnärztlichen chirurgischen Eingriff eine BONJ zu erleiden hängt von dem Präparat, der Dosis und der Dauer der Einnahme ab. Als „Take Home message“ seine Vortrages nannte er die Aussage: „Es gibt nur ein individuelles Risikoprofil“. Zur Evaluation des individuellen Risikoprofils empfiehlt Prof. Grötz eine Art Laufzettel, der unter http://www.onkosupport.de herunter zuladen ist.

 

Um eine ausreichende Prophylaxe betreiben zu können, also eine vernünftige orale Sanierung vor der Therapie mit Bisphosphonaten, ist es wichtig die Hautursachen für die Kiefernekrose zu kennen. An erster Stelle steht die marginale Parodontitis, die zweithäufigste Ursache sind Prothesendruckstellen und an dritter Stelle steht spontaner Zahnverlust ohne Eingriff des Zahnarztes. Zur Prävention einer BONJ, also eine Nekrose unter Therapie mit Bisphosponaten, ist es wichtig das individuelle Risiko des Patienten zu kennen. Dann ist es wichtig lange vor dem Eingriff mit der Einnahme von Antibiotika, wie Amoxicillin oder Clindamycin zu beginnen, da es auf den Spiegel im Lagerknochen ankommt und nicht im Blut. Ansonsten gelten die bekannten Kautelen, wie schonende Operation und plastische Deckung.
  Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz
Die Früherkennung der Kiefernekrose liegt zu 99% in den Händen des Hauszahnarztes und so schärfte Prof. Grötz den Blick der Anwesenden mit seinen Dias, die teilweise nur punktuell das Leitsymptom des os liber zeigten. Weiterhin sei auf den charakteristischen Foetor ex ore zu achten. Das Vincent-Syndrom und die röntgenologisch persistierende Alveole nach Extraktion kommen dazu.
„Ein Bisphosphonat-Patient ist ein Leben lang ein Bisphosphonat-Patient“ so schloss Prof. Grötz seinen spannenden Vortrag.
 
OA Dr. Matthias Burwinkel informierte, als letzter Vortragender, bevor er zu seinem Thema kam die Anwesenden über den schon länger auf dem Markt befindlichen Thrombocytenaggregationshemmer Clopidrogel der unter den Handelsnamen Plavix© und Iscover© auf dem Markt ist. Wird er zusammen mit ASS eingenommen, ist seine Wirkung mit Marcumar© zu vergleichen. Dann widmete er sich den neuen direkten Antikoagulantien Pradaxa© und Xarelto©. Nach der Einnahme entsteht ein Peak der Wirkstoffkonzentration im Blut. Daher sind ähneln sie stark Heparin und nicht mehr Macumar, dass über Tage eine fast plateauförmige Wirkstoffkonzentration hält.

Zwei Stunden nach der Einnahme erreichen diese direkten Antikoagulationen ihren höchsten Wirkstoffspiegel. Entscheidend ist also, wann nach der Einnahme der Gerinnungshemmer der zahnärztliche Eingriff statt findet. Als Faustregel hat sich hier das 2010 Schema bewährt, also am Vortag um 20:00 Uhr die Einnahme, um 8:00 Uhr der Eingriff und frühestens 1h nach dem Eingriff die erneute Einnahme. Ansosten empfiehlt sich immer eine Verbandsplatte und auch das Spülen mit Tranexamsäure hat sich bewährt. Das eigentliche Problem ist, dass der INR-Wert, der bei den Cumarinen eine zuverlässige Vorhersage des Blutungsrisikos zulässt bei den direkten Koagulantien nicht aussagekräftig ist.Auch die aPTT gibt nur eine ungefähre Aussage über den Gerinnungsstatus. Eigentlich kann nur über die Thrombinzeit (TZ) das Blutungsrisiko eingeschätzt werden,

Dr. Matthias Burwinkel  
so Dr. Burwinkel, ein Test der aber von den meisten Laboren nicht durchgeführt wird. So schloss der Referent seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass die neuen direkten Antikoagulantien den Zahnarzt vor wesentlich mehr Probleme stellen als das altbekannte Macumar.
 
Die neuen Erkenntnisse wurden mit den Referenten beim anschließenden Buffet mit hessischen Spezialitäten von den Fortbildungsteilnehmern noch ausgiebig diskutiert.

Zuletzt geändert am: 09.03.2013 um 11:35

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