Fortbildung

Frühjahrsfortbildung 2015

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Am traditionellen Aschermittwochstermin konnte der Präsident des Zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt am Main, Prof. Dr. mult. Robert Sader, im gut gefüllten großen Hörsaal des Carolinums die Anwesenden begrüßen.
Immer mehr, so Prof. Sader, stelle sich heraus, dass Implantate nicht das Allheilmittel in der Zahnheilkunde seien. „ Der Tsunami der Periimplantitis rollt auf uns zu“.
 
 
Prof. Dr. Christian R. Gernhardt, stellvertretender Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Präsident der DEGT bot dem Publikum in seinem Vortrag „Erfolgsparameter moderner Endodontie“ ein Curriculum Endodontie in 50 Minuten.

Erfolgreich ist eine endodontische Maßnahme, wenn der Patient beschwerdefrei ist, eine vollständige Aufbereitung und homogene Wurzelfüllung aller Kanäle erreicht wird und keine radiologisch diagnostizierte Parodontitis apikalis vorliegt, so die Definition der DEGT.

Prof. Dr. Christian R. Gernhardt  
 

Das ist nach Studien bei 83% aller Wurzelbehandlungen nach acht Jahren der Fall und liegt damit knapp über der Überlebensrate von Implantaten, die bei 80% nach 8 Jahren liegt.

Als wichtige Punkte, um diesen Erfolg zu erreichen, nannte Prof. Gernhardt die Größe der Aufbereitung, deren minimale Masterfeile vom Durchmesser der Spülkanüle bestimmt wird. Ebenso wichtig ist die Zerstörung des Biofilms, am effektivsten durch Ultraschall-Feilen möglich sowie die Menge und Dauer der Spülung.
Genauso entscheidend wie die Qualität der endodontischen Maßnahmen ist die Versorgung des Zahns danach zur Vermeidung eines coronalen leackages.
Kaum einen Einfluss auf den Erfolg habe die Art der Aufbereitung, ob mit Hand- oder maschinellen Instrumenten oder die Technik der Wurzelfüllung.
Mit einem Ausblick auf die Forschung an der Uni Halle-Wittenberg und die Möglichkeit in Zukunft eine Pulpitis mit Stammzellen wirklich heilen zu können, beendete der Referent seinen spannenden und informativen Vortrag.
 
Der zweite Vortrag des Abends wurde von Dr. Matthias Roggendorf, geschäftsführender Oberarzt der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Philipps Universität Marburg, gehalten. Er stand unter dem Titel: „Wieviel Endodontie verträgt ein Zahn?“.
Da der Zahn nicht wie der Knochen das Potential zur Regeneration hat, „stirbt“ er an der Kumulation seiner Belastungen durch den Patienten und den Behandler.
Ein Wurzelkanal sollte so zierlich wie möglich aufbereitet werden, wobei das Hauptaugenmerk auf dem apikalen Abschnitt liegen sollte. Hier ist schon ab ISO 30 mit 100% der Spülwirkung zu rechnen. Bei der Reinigung ist die Größe der Aufbereitung also wichtiger als der Taper.
Bei der Revision einer Wurzelkanalbehandlung sollte sich der Behandler nicht nur fragen, ob der orthograde Zugang möglich ist, sondern, ob er auf Grund des Substanzverlusts auch sinnvoll ist. Als finale Aufbereitungsgröße einer Revision empfiehlt Dr. Roggendorf zwei Größen über der initialen Größe und eine desinfizierende Einlage. Hinsichtlich der Fragestellung, ob eine Fragment Entfernung immer notwendig sei, präsentierte der Referent eine Literaturstelle,
   Dr. Matthias Roggendorf
wonach ein belassenes Instrument die Prognose für den Zahn nicht signifikant reduziert. Bei der Entfernung von Wurzelstiften, die oft als „alternativlos“ bezeichnet wird, sollten vom Behandler auch immer die entstehenden Kräfte und der Substanzverlust des Zahnes ab gewägt werden.
Eine Substanzschwächung des Dentins entsteht aber auch durch NaOCl währen der Spülung und Ca(OH)2. Diese Schwächung des Dentins um bis zu 44% führt vielleicht n der Zukunft zur Neubewertung des Calciumhydroxids als medikamentöse Einlage. Zum Ende seines kurzweiligen, aufschlussreichen Vortrags ging Dr. Roggendorf noch auf die Rissbildung im apikalen Bereich ein. Nicht nur die Präparation eines Stiftlumens sondern alle rotierenden Instrumente, aber vor allem Gates-Bohrer führen im Vergleich zu Handinstrumenten zur Rissbildung.
 
Die Referenten ließen dann zusammen mit den Zuhörern die Fortbildungsveranstaltung am Buffet mit hessischen Spezialitäten ausklingen.
 

 

Zuletzt geändert am: 31.10.2015 um 17:05

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