Fortbildung

Frühjahrsfortbildung 2016

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Am 02. März 2016 konnte der Vorsitzende des Zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt am Main von 1863, Herr Professor Sader, im wieder fast voll besetzten Hörsaal des Carolinums die Mitglieder und Gäste des Vereins begrüßen.

Nach einem kleinen Exkurs über die Errichtung des Hauses 8, der HNO Klinik, dessen Neubau durch eine Bauträger- Insolvenz verzögert wurde, übergab Herr Professor Sader das Mikrofon an die Referenten.

Herr Univ.- Professor Dr. Stefan Rüttermann, frisch gebackener Lehrstuhlinhaber der Poliklinik für Zahnerhaltung im Carolinum und Frau Privatdozentin Dr. Kerstin Bitter von der Abteilung für Zahnerhaltung der Charité versprachen Spannendes zum Thema

„Adhäsion von der Wurzelspitze bis zur Schneidekante“

  

Professor Rüttermann berichtete in seinem kurzweiligen Vortrag über aktuelle Aspekte der Adhäsivtechnik in der Füllungstherapie. Nach einem kurzen Update über die verschiedenen Klassen der Adhäsivsysteme wies Prof. Rüttermann auf die allen Systemen anhaftenden Probleme hin. Mit einer Verlängerung der Ätzzeit kommt es zu einer zunehmenden Dicke der Hybridschicht und zu einer abnehmenden Haftung. Auch eine Übertrocknung des Dentins führt zu einer Schwächung der Adhäsion.Bei den self-etch-Systemen ist mittlerweile die siebte Generation auf dem Markt.

Prof. Dr. Stefan Rüttermann  

 

Durch die Vereinfachung der Anwendung stellen sie möglicherweise die Zukunft dar. Probleme gibt es noch bei der Anpassung der Adhäsive an die unterschiedlichen Dentinqualitäten, von kariös verändertem Dentin bis hin zu keilförmigen Defekten sind die Anforderungen an Adhäsive jeweils andere.

Auf dem Gebiet der Komposite sind die Hybridkomposite weiterhin der Füllungswerkstoff schlechthin, so Prof. Rüttermann. Neuentwicklungen, wie Nanokomposite, sind oft nur „Marketingneuerungen“. Hochdisperses Siliziumdioxid ist schon seit 1980 in den Kompositen enthalten ist. Für bulkfill-Komposite und selbstätzende Flowables liegen noch sehr wenig klinische Studien vor, so dass man noch abwarten muss, wie diese Materialien die Füllungstherapie verändern werden.

Zum Schluss brach Prof. Rüttermann noch eine Lanze für die Reparaturen von bestehenden Restaurationen. Da die Schonung der Zahnhartsubstanz bei der zahnärztlichen Therapie im Vordergrund steht, sollte vor Erneuerung der gesamten Restauration die Möglichkeiten der Reparatur ausgeschöpft werden.

Im Anschluss begann Frau Priv.-Doz. Dr. Kerstin Bitter von der Charité Berlin ihren Vortrag über die Problematik der Adhäsion im Wurzelkanal.

     

Durch eine effektive Adhäsion des Stiftes im Wurzelkanalsystem sollte es zu einer hermetischen Versiegelung dieses Systems kommen. Einflussfaktoren der Befestigung sind hierbei das Substanzangebot, die Kavität, die Möglichkeiten der Trocknung und Applikation des Sealers. Aufgrund eines möglichst einheitlichen Elastizitätsmoduls ist dem Monoblock bei der Endo und der Befestigung der Vorzug zu geben, so führt Frau Priv.-Doz. Bitter in ihrem spannenden Vortrag aus. Trotz allem bleibt aufgrund von möglicher Restfeuchtigkeit im Kanalsystem die Adhäsivtechnik schwierig.

  Priv.- Doz. Dr. Kerstin Bitter

Frau Priv.-Doz. Bitter stellte daraufhin dem Auditorium verschiedene Studien vor, viele empfahlen Sealer auf Metacrylatbasis nicht anzuwenden, da die Adhäsion in dieser Materialgruppe sich als problematisch erwiesen hat.

Die Frage nach den Stiftmaterialien im Kanal wird aufgrund einer siebenjährigen Studie folgendermaßen beantwortet. Bei Glasfaser und konfektionierten Titanstift liegt die Überlebensrate beider Materialien bei 90 %.

Frau Priv.-Doz. Bitter gibt jedoch persönlich den Glasfaserstiften aufgrund ihres dentinähnlichen Elastizitätsmoduls, des reduzierten Spannungsstress in der Wurzel und der ästhetischen Eigenschaften den Vorzug. 

Nach einer allgemeinen und regen Diskussion erinnerte Herr Professor Sader noch an die Herbsttagung des Vereins am 29.10.2016. Die Referenten und Fortbildungsteilnehmer beendeten die Veranstaltung dann wie üblich mit Gesprächen und Diskussionen am Buffet mit hessischen Spezialitäten.

Zuletzt geändert am: 16.11.2016 um 15:23

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