Fortbildung

Frühjahrsfortbildung 2017

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Frühjahrsfortbildung des Zahnärztlichen Vereins

 

Zum Thema Zahnerhalt vs. Implantologie gibt es viel zu erzählen, doch sind die „Lager“ – wenn man überhaupt von „Lager“ sprechen sollte, nicht immer so verschieden. Schließlich sitzen wir als Zahnärzte doch stets gemeinsam im Boot, wenn es darum geht tragfähige, sich ergänzende Konzepte für den Individualfall zu finden. So kann man sich einig darüber sein, dass es den einen Königsweg für alle wohl nie geben wird.

 

Der stets gut aufgelegte Vereinspräsident Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader  begrüßte nicht ohne Stolz die zahlreichen Studenten, Mitglieder und weiteren Gäste, die sich im großen Hörsaal des Carolinums für die Veranstaltung eingefunden hatten. Es scheint sich viral zu verbreiten, dass der traditionsreiche Zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main von 1863 e.V. eine hervorragende Plattform ist, gute Fortbildung auf hohem Niveau zu sein. Nimmt man sich die Zeit, um sich die Ziele des Vereins z.B. auf dessen Homepage zu verinnerlichen,so erkennt man die enge Bindung des Vereins

mit Hochschule, Kammer und befreundeter Vereine. So wird bereits seit 117 Jahren der Hörsaal für die Tagungen des Vereins genutzt, um nur einen Punkt der langen Geschichte hervorzuheben.

 

Die beiden geladenen Referenten Dr. Dominik Trohorsch und Prof. Dr. Hubertus Nentwig zeigten in ihren Vorträgen folgende nicht alternative Fakten:

Zu der Therapie großer periapikaler Läsionen stellte Dr. Trohorsch seine konservativen Ansätze vor, die den aktuellen Stand der Endodontie widerspiegeln. Es gilt im Wesentlichen die nicht neoplastischen Läsionen LEO (Lesion of Endodontic Origin) zu unterscheiden in die beiden Gruppen Granulome und echte Zysten, was sich mitunter als schwierig erweist.

Auch die Forschung gibt uns keine Hilfe zur Vorhersagbarkeit. Die 3D-Diagnostik im Bereich bildgebende Verfahren ist sehr hilfreich, da sie zu zeigen imstande ist, dass nicht jede im 2D-Röntgenbild gut ausgeheilte periapikale Region auch tatsächlich frei von Granulomen ist. Sie steigert die Diagnostik einer vorhandenen LEO um 100%. Periapikal meint nicht „nur“ an der Wurzelspitze, es können auch laterale Läsionen sein. Die Ursache der LEO sind meist Infektionen oder ein dentales Trauma. Sie unterteilt sich in 35% Abszesse, 50% Granulome und 15% Zysten,
Dr. Dominik Trohosch  

wovon 9% echte Zysten sind und 6% Taschenzysten. Meist handelt es sich um ein bakterielles Geschehen. Daran beteiligt sind Metallmatrixproteine die aus aktivierten Immunzellen und Fibroblasten aktiviert werden. Der EGF-Rezeptor (Epidermal Growth Factor) wird hochreguliert durch PGE2, IL-1+6, TNF-ß und TGFalpha. Proliferierende Epithelzellen finden sich in jedem Granulom ab 5mm Durchmesser. Evtl. vorhandene Cholesterinkristalle können vom Körper abgebaut werden. Der Kontakt mit Makrophagen lässt IL-1 ansteigen, was zu einer Osteoklastenaktivität führt, doch sobald die Ursache der Entzündung beseitigt ist, findet die Ausheilung statt. Die Prognose der endodontischen Behandlung ist sehr gut, trotzdem sind Langzeitkontrollen erforderlich da manche Granulome weiterwachsen und große Zysten daraus entstehen können. Die Therapie ist im Prinzip die Umwandlung der destruktiven Entzündungsreaktion in eine regenerative Entzündung. So reichen bei konservativen Konzepten das Befolgen eines speziellen Spülprotokolls des Zystenlumens über den Apex hinaus, was man mit Mikroskopkontrolle unter vorsichtiger Zuhilfenahme eines Ultraschalls apexeröffnender Maßnahmen erzielt, bis zur lokalen Antibiose zusätzlich (Minocyclin, Ciprofloxacin, Metronidazol). Der Apex wird dann mit MTA verschlossen auch bei Resektionen. Es konnte gezeigt werden, dass alleinige CA(OH)2-Einlagen eine ausreichende Desinfektion des Wurzelkanals erreichen. Trotzdem die semikonservativen Konzepte sehr erfolgversprechend sind, braucht man hin und wieder eine WSR, z.B. bei schwer entfernbaren frakturierten Instrumenten, bei überpresstem WF-Material. Die WSR bringt eine etwa gleichgroße Erfolgsquote wie der konservative Ansatz bei schneller Ausheilung der LEO. FAZIT: die konservative Therapie ist der primäre Ansatz bei allen zahnassoziierten LEO’s, die semikonservative Methode mit periapikaler Überinstrumentierung (ist beim Heilungsansatz vergleichbar einer Zystostomie) ist sinnvoll um die Heilung zu beschleunigen aber nicht evidenzbasiert und der chirurgische Ansatz als sekundäre Heilungshilfe ist nach wie vor bei periapikalen Läsionen indiziert. Letztlich folgerte Dr. Trohorsch, dass auch hoffnungslose periapikal beherdete Zähne zunächst eine endodontische Maßnahme erhalten können, damit der periapikale Bereich zur Ausheilung kommt, um bei einer späteren Implantation bereits genügend Knochen vorzufinden.

Eine bessere Überleitung zum folgenden Referenten Prof. Dr. Nentwig hätte man sich nicht wünschen können.

Aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz in der Implantologie und zahnärztlichen Chirurgie bot es sich geradezu einen historischen Bogen zu spannen von den Anfängen der Implantologie bis zu den neuesten Trends. Er blickt zurück auf 25 Jahre Frankfurt Implantology School und die Entwicklung des Ankylos-Implantats im Jahre 1985 als die Implantologie gerade eben salonfähig wurde. Zusammen mit dem damaligen Münchner Werkstoffkundewissenschaftler Walter Moser saß er bei einer Maß Bier beim Oktoberfest und sinnierte über die ultimative Titanschraube zum Ersatz von Zähnen. Wieviel Maß Bier damals inkorporiert worden sind wurde leider nicht überliefert
  Prof. Dr. Hubertus Nentwig

aber heraus kam das Ankylos-Implantat was nach einigen Modifizierungen immer noch seine Anwendung findet, damals aber schon Maßstäbe setzte. Die Komplikationen der damals noch üblichen Blatt-Implantate nach Linkow, die eigentlich guten Ansätze des IMZ (intramobiles Zylinderimplantat) mit einer Art eingebautem Stoßdämpfer welcher immer mal wieder ausgewechselt werden musste und in seiner damaligen Weise als Eintrittspforte für Mikroorganismen diente (was später verändert wurde) wurde zum Gedankensanstoß zu einem zuverlässigen „einfacheren“ Schraubenimplantat. Das progressive Design, die Konusverbindung und das Platform Switching waren Features, was anders war zu bisherigen Designs dentaler Implantate. Ankylos wurde immer wieder weiter sanften Evolutionen unterzogen und weiterentwickelt. Es waren nach und nach wegweisende Abutmentsysteme erhältlich, keramische Aufbauteile wurden entwickelt im zuge der Einführung der Zirkondioxid-Keramik, es wurde die Plus Surface entwickelt, eine Indexierung hielt Einzug in das System und das Syncone-Konzept wurde als preisgünstige einfache Verbindung für die Totalprothetik eingeführt. Zum damaligen Zeitpunkt als man schon froh war, dass Implantate erfolgreich osseointegrierten war das Tissue Care Concept einen Schritt voraus. Für eine erfolgreiche Implantattherapie benötigt man eine langzeitstabile Weichgewebemanschette, die durch das Platform shifting und die subcrestale Platzierung gewährleistet werden konnte. Die konische Verbindung erwies sich als äußerst tragfähig, sodass auch kurze Implantate zunehmend dazu führten, dass auf aufwändigere Chirurgie – Beispiel: Vermeidung eines Sinus-Lifts – verzichtet werden konnte. Damit wuchs zwar das Implantat-Kronen-Verhältnis auf ein zunächst befremdlich wirkendes Outcome, was sich aber dank der Kraftübertragung des „langen“ Innenkonus stabil zeigte. Letzten Endes ist auch das sogenannte Progressive Bone Loading oder auch Knochentraining ein Konzept, was auf die Arbeit von Prof. Dr. Nentwig zurück zu führen ist. Es dient dazu, weichen nicht gut mineralisierten Knochen langsam reifen zu lassen. Es ist der Physiotherapie im Bereich der Orthopädie ähnlich. Studien aus Kuala Lumpur an Primaten waren hierfür wegweisend und das Verfahren führt zur Zunahme der Festigkeit des Knochens.

Nicht viele Implantatsysteme werden über einen langen Zeitraum nachbetrachtet. Das Ankylos-System wurde von 1991-2011 einer 20 Jahre Langzeitbeobachtung unterzogen mit einer fast 98%-igen Erfolgsquote. Aber der Umtriebigkeit und Sehnsucht nach Neuem, Besserem wird kein Ende gesetzt. Prof. Dr. Nentwig stellte seine neueste Entwicklung auf dem Sektor Implantologie vor. Das System, welches unter dem Namen myplant 2 von Meisinger vertrieben wird, kommt zur IDS Ende März 2017 zur Markteinführung. Im Grunde ähnelt es dem Ankylos-System, wurde aber in einigen Teilen weiter entwickelt. Es wird auf die Indexierung verzichtet, da dies wohl beim Ankylos doch hin und wieder zu Abutmentbrüchen führte, da der Innenkonus auf Kosten der Indexierung verkürzt werden musste. Das Bohrprotokoll wurde verändert, die Abutments werden auf andere Art und weise verankert und können leichter ausgebracht werden, des Weiteren sind wohl in 50% der Fälle Sofortversorgungen möglich, zementfreies Arbeiten wird ermöglicht, es wird auf eine einfachere Prothetik gesetzt, so soll u.a. die CAD/CAM-Technik zu preiswerteren Lösungen führen. Eine offen gebliebene Frage bleibt, ob die Innovationen beim myplant 2-System auf Inkorporationen von Äppler in Sachsenhausen zurück zu führen sind, angelehnt an den Genuss von Bier auf dem Oktoberfest.

Doch wenn es am interessantesten wird, soll man bekanntlich schließen, was hiermit getan wird. Für weitere Informationen rund um das neue Implantatsystem darf man auf die IDS verweisen, wo der Stand von Meisinger gestürmt wird.

Hier und heute gab es nur noch Sturm in eine Richtung, nämlich auf das hessische Buffet, welches in traditioneller Art und Weise dazu führte, dass sich Studenten mit Kollegen und gender korrekt Zahnärztinnen mit Zahnärzten austauschen konnten.

Das Gute kommt zum Schluss. Die  Herbsttagung am 23. 09. wird zum höchst interessanten Event, da sie gemeinsam mit der KZVH und der LZKH in deren Räumen in der Lyoner Str. 21 und der Rhonestr. 4 in Frankfurt stattfindet. Die Technik ist renoviert. Start ist um 10 Uhr und die erwartete Nachfrage lohnt eine frühe Anreise.

Dr. Thomas Staudt

Zuletzt geändert am: 27.03.2017 um 10:18

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