Fortbildung

Herbsttagung 2012

Fortbildung >> Rückblick
Am 15. September fand die diesjährige Herbsttagung des zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt am Main statt, diesmal zusammen mit dem alle zwei Jahre statt findenden Tag der offenen Tür der Landeszahnärztekammer Hessen und der FAZH. In den Räumen der Rhonestrasse trafen sich über 400 Zahnärzte mit ihren Familienmitgliedern zur Besichtigung ihrer Kammer und um an einem hochkarätigen Fortbildungsprogramm teilzunehmen.

 

Im Großen Hörsaal eröffnete Kammerpräsident Dr. Michael Frank die Veranstaltung und erinnerte die Anwesenden daran, dass die Kammer aus allen Mitgliedern bestehe. Daraufhin lud er alle Anwesenden ein, ihre Kammer zu entdecken. Sämtliche Mitglieder des Vorstandes und alle Mitarbeiter waren anwesend, um den Besuchern Fragen zu beantworten. Danach begrüßte der Präsident des zahnärztlichen Vereins, Prof. Dr. mult. Robert Sader, die Anwesenden.  In seinen Eröffnungsworten ging er auf die Geschichte des Zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt ein. Der Verein war damals 4 Jahre nach der Gründung des Centralvereins der deutschen Zahnärzte gegründet worden. Er war auch ein Zeichen der Eigenständigkeit der damals noch freien Reichsstadt gegenüber dem preußisch dominierten Centralverein.
 
Dr. Michael Frank  

So ist der zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main heute der am längsten ununterbrochen bestehende zahnärztliche Verein Deutschlands. Und so wie damals Frankfurter Zahnärzte eine besondere Rolle gespielt hatten, freue es Prof. Sader, dass die Hessische Zahnärztekammer heute in der bundesdeutschen Standespolitik eine wichtige Rolle spiele. 

 Wie bei jeder Herbsttagung folgte danach die Verleihung des Friedrich-Kreter-Promotionspreises. Frau Dr. Gretel Wittenburg aus der Klinik für MKG der TU Dresden konnte dieses Jahr die Auszeichnung gewinnen. Die prämierte Arbeit trägt den Titel: Ossifizierung von Knochen-ersatzmaterial mit mesenchymalen Stammzellen in vitro“.
  Prof. Dr. Sader                      Frau Dr. Wittenburg
Die Preisträgerin nahm nicht nur den Scheck mit dem Preisgeld von 1500,- € entgegen, sondern auch den obligatorischen Bembel mit dem Vereinswappen. Fr. Dr. Wittenburg überbrachte die Danksagung des gesamten Forschungsteams aus Dresden und begann ihren Vortrag mit der Frage, warum es so interessant sei, Stammzellen mit Knochenersatzmaterialien zu kombinieren. Eine Knochenheilung laufe doch in der Natur scheinbar spontan ab. Dies gelte jedoch nur für Brüche und kleinere Defekte. Ziel des tissue engineerings, wie es die Forschungsgruppe aus Dresden betreibt, ist die Kombination des synthetischen Gerüstmaterials mit Stammzellen und Wachstumsfaktoren, um damit ein biologisches Knochenersatzmaterial herzustellen.
Ihre Arbeit beschreibt die Entwicklung eines Ersatzmaterials und die Testung der Differenzierung der Stammzellen in Gefäße, Knochenfett, Knorpel und Knochen. Dabei war es notwendig ein synthetisches Material zu finden, dass sich mit Zellen besiedeln lässt. Sie konnte zeigen, dass sich ein Defekt von 5mm im Oberschenkelknochen von Mäusen mit diesem Material überbrücken lässt und sie konnte die auf dem Ersatzmaterial aufgebrachten Stammzellen im neu gewachsenen Knochen nachweisen. Frau Dr. Wittenburg schloss ihren fesselnden Vortrag mit dem Versprechen, dass in nicht allzu ferner Zukunft Knochentransplantationen aus dem Beckenkamm obsolet sein werden. Das Auditorium honorierte den Vortag der Preisträgerin mit langanhaltendem Beifall.
 
Frau Prof. Dr. Nicole Arweiler begann ihren Vortrag über Komplikationen in der Parodontologie mit dem Problem von Schmerzen durch freiliegendes Dentin. Dies sei kein spezifisches Problem der Parodontologie, da es auch dem modernen Lifestyle geschuldet ist, zum Beispiel durch Bruxismus und den Genuss von Softdrinks. Da aber 78% der Patienten mit empfindlichen Zahnflächen auch Paro-Patienten sind, gehöre es zu den Komplikationen dazu. Dass die neuen Zahnpasten mit Pro-Arginin oder mit Strontiumacetat aber bessere Hilfe als die altbekannte Fluoridierung bieten, konnte sie in verschiedenen Diagrammen zeigen.
Prof. Dr. Nicole Arweiler  

Danach ging sie auf die Komplikationen bei der PAR-Chirurgie ein. Neben Lappenperforationen und Blutungen während der OP sind dies dann hauptsächlich Nachblutungen, Infektionen, Wunddehiszenzen, Abszessbildung und Nekrosen. Frau Prof. Arweiler konnte in ihrem fundierten Vortrag zeigen, wie man diese Komplikationen beherrschen kann. Nachdem sie viele Fragen zu ihrem Vortrag aus dem Auditorium beantwortet hatte, konnten die Zuhörer in die Mittagspause entlassen werden.

Nach den hessischen Spezialitäten, die Dank des guten Wetters im Freien genossen werden konnten, führte Prof. Dr. Sader in den zweiten Teil der Fortbildungsveranstaltung. Zahnarzt Ulf Krueger-Janson, ein Frankfurter Fachmann in Sachen Ästhetik, entführte die Zuhörer mit seinem Vortrag „Komposit und Ästhetik“ auf eine Reise durch Farbe und Form der Zähne. In seiner humorvollen Eröffnung mit einer Charakterisierung der Patiententypen sprach er vielen Kollegen aus dem Herzen.
Ulf Krueger-Janson  

Anschaulich verdeutlichte er, welche Herausforderung schon die Farbauswahl einer zervikalen Füllung ist. In einem kurzen Film zeigte er außerdem, wie einen Behandler dabei schon der Simultankontrast täuschen kann. 80% der Bevölkerung habe eine A-Farbe, so Krueger-Janson, doch Intensität und Transparenz variieren innerhalb eines Zahnes. Er zeigte, wie er mit vier verschiedenen Komposit-Flow-Massen und viel Fachkenntnis zu einem sehr überzeugenden Ergebnis kam. Anschließend demonstrierte Herr Krueger-Janson anhand des Lückenschlusses der inzisalen Dreiecke in einer OK-Front mit einer ganzen Fotostrecke die Wichtigkeit der funktionalen Aspekte beim Aufbau der Kanten. Es waren auch beeindruckende Beispiele für den künstlerischen Aspekt der zahnärztlichen Tätigkeit.

 
Danach übernahm Dr. Matthias Roggendorf von der Abteilung Zahnerhaltungskunde der Uniklinik Marburg den Staffelstab und zeigte als letzter Referent den noch sehr zahlreichen Zuschauern die Möglichkeiten und Grenzen des Fachgebiets der Endodontie. Anhand von 15 Fällen zeigte er, was mit einem OP-Mikroskop und teilweise bis zu 6 Stunden Behandlungs- zeit alles möglich ist. Von seitlichen  Aufhellungen, 90o- Wurzelkrümmungen, Revisionen von Molaren mit Doppel-S-gekrümmten Wurzeln sowie Stiften und abgebrochenen Wurzelinstrumenten wiesen die vom Ihm
  Dr. Matthias Roggendorf
vorgestellten Fälle alle Probleme auf, die eine endodontische Behandlung fast unmöglich machen. Dr. Roggendorf stellte jeweils die Ausgangssituation vor, erläuterte seine Therapieentscheidung und zeigte das Ergebnis. Dass dieses Ergebnis auch nach langer Zeit stabil war, konnte Dr. Roggendorf anhand vieler Röntgenbilder, teilweise bei der 10-Jahres-Nachuntersuchung aufgenommen, zeigen. Ziemlich oft erfolgte bei Dr. Roggendorf die Wurzelfüllung mit MTA. Ein Material, in dem er trotz seiner schwierigen Verarbeitung, noch ein großes Potential sieht. Bei den Grenzen der Behandlung sprach er auch das Risiko der Wurzelfrakturen nach der Entfernung von Stiften an. Nach seinem Vortrag kam es trotz der schon vorgerückten Stunde noch zu einer regen Diskussion. Dann konnte Prof. Sader den Fortbildungsteil dieser sehr erfolgreichen Veranstaltung schließen.
Die Gäste des Tags der offenen Tür und der Herbsttagung ließen dann noch bei Kaffee und Kuchen den Nachmittag ausklingen.

Zuletzt geändert am: 26.09.2012 um 09:48

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