Geschichte

150 Jahre Zahnärztlicher Verein zu Frankfurt am Main von 1863 e. V.

Zusammengetragen von Dr. Rüdiger H. Schönfeld (2003),
überarbeitet und aktualisiert von Dr. Frank Berger (2010)


Etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kann man in Deutschland von einem zahnärztlichen Stand sprechen.
Von ausschlaggebender Bedeutung war, dass seit dem 1. Januar 1846 in Berlin, im Verlag von Albert Förstner, die erste deutsche zahnärztliche Zeitschrift erschien. Sie trug den Titel "Der Zahnarzt" mit dem Untertitel "Das Neueste und Wissenswürdigste des In- und Auslands über die Zahnheilkunde".

Zwischen 1859 und 1860 wurden die ersten zahnärztlichen Vereine gegründet.

In Berlin 1847 der "Verein der Zahnärzte in Berlin", in Hamburg1857 der "Verein der Zahnärzte" und in Dresden der "Verein sächsischer Zahnärzte".
Diese Provinzialvereine schlossen sich 1859 im Central-Verein Deutscher Zahnärzte zusammen.
Der Central-Verein hielt jährlich eine große Tagung ab, die 1859 in Berlin, 1860 in Hamburg, 1861 in Dresden und 1862 in Wien stattfand.
Im Anschluss an die Tagung in Wien wurde als Tagungsort für die Jahrestagung 1863 Frankfurt am Main gewählt.
Als im Januar 1863 sieben Frankfurter Zahnärzte ein Lokal-Komitee für die Tagung des Central-Vereins bildeten und am 18. Juli 1863 den "Verein Deutscher Zahnärzte zu Frankfurt a. M." gründeten, dachte wohl niemand daran, dass sich aus dieser kleinen Gruppe je ein bedeutender Verein bilden könnte, der nun 140 Jahre lang besteht. 


Stehend: Christ - LeBailly - Frey - Wehner - Bertling; Sitzend: Haas - Zeitmann

Man traf sich damals einmal monatlich. Beim Gedankenaustausch über wissenschaftliche Themen wuchsen freundschaftliche Kontakte von Zahnärzten, die sich bis dahin fremd, sogar misstrauisch, gegenüber gestanden hatten, denn in den Anfängen der Medizin wie der Zahnmedizin gab es nur egoistische Einzelkämpfer. Die Weitergabe eigenen Wissens an einen Kollegen wurde als Verlust der eigenen Kompetenz angesehen, man half der Konkurrenz doch nicht zum Erfolg.

Schon bald wurde das Gefühl der Zusammengehörigkeit wach. Immer regelmäßiger wurden die Sitzungen des Komitees besucht. Außer der Vorbereitung der Tagung wurden noch "gar viele Fachgegenstände besprochen", so dass sie schon längst wie ein Verein arbeiteten, bevor Statuten entstanden und Protokolle geführt wurden.

Eingehende Debatten über die innere Struktur der Zähne, den Schmelz und das Dentin, die Zahnwurzelhaut, sowie über die seltenen Fälle von Neubildung verloren gegangenen Dentins, sowie Ursachen, Folgen und Behandlung kariöser Erkrankung der Zähne beschäftigten die Teilnehmer an vielen Abenden.

Am 18. Juli 1863 erfolgte dann die Gründung des "Vereins Deutscher Zahnärzte zu Frankfurt a. M."

Damaliges Ziel der Vereinstätigkeit war die "Hebung des Standes der Zahnärzte in wissenschaftlicher, sozialer und kollegialer Beziehung, sowie die Förderung der Forschungen auf dem Gebiet der zahnärztlichen Wissenschaft und Anwendung derselben in der Praxis".
Um seine Offenheit auch für ausländische Kollegen zu demonstrieren, wurden korrespondierende Mitglieder des Vereins bestellt. So bereits 1868 der schwedische Hofzahnarzt  C. Besow und später Professoren aus weiteren europäischen Ländern.

Zentrale Fortbildungsveranstaltungen gibt es schon seit 1859 in Deutschland. Gastgeber der 5. Jahresfortbildungstagung war der heutige Zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main von 1863.

In den folgenden Jahren wurden Stiftungsfeste gefeiert. Das waren damals nur gesellige Zusammenkünfte der Mitglieder, zusätzlich zu den regelmäßigen Sitzungen.

Nach der anfänglichen Begeisterung  und den Aktivitäten trat nach 15 Jahren eine erste Krise ein. Durch Austritt mehrerer Zahnärzte ging die Zahl der ordentlichen Mitglieder 1878 auf fünf  zurück.

Deshalb wurden ab dem nächsten Jahr die monatlichen Sitzungen umgestaltet. Themen wurden vorgegeben, durch Referate dargestellt und anschließend vom Plenum diskutiert. 

Erstmalig richtete der Verein auch eine eigene wissenschaftliche Tagung aus, aus der sich die ersten zahnärztlichen Kongresse entwickelten.
Füllungen aus Zinkphosphat-Zement, Gebisse aus Zelluloid und Abdrücke aus Gips waren damals die Themen.
Der Erfolg war so groß, dass sich 1882 der Central - Verein (die heutige DGZMK) über die Konkurrenz des Frankfurter Vereins beklagte.

Auf der Festsitzung 1878 führte der spätere Vorsitzende Degener das Anlegen von Cofferdam vor. Diese Veranstaltung fand in einem besonders würdigen Rahmen statt, im Goethe-Haus am Großen Hirschgraben.


© Frankfurter Goethe-Haus - Freies Deutsches
Hochstift, Foto: David Hall


Wir können mit Stolz die damaligen Aktivitäten unseres Vereins als den Beginn der organisierten zahnärztlichen Fortbildung ansehen.

Im folgenden Jahr, 1879, hat sich der Name des Vereins geändert. Aus dem "Verein Deutscher Zahnärzte zu Frankfurt am Main" wurde der "Zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main".

Nun sollten auch ausländische Kollegen als ordentliche Mitglieder dem Verein beitreten können. Im Satz 5 der Statuten war festgelegt, dass "jeder im In- oder Ausland geprüfte Zahnarzt von wissenschaftlichem Streben und unzweifelhafter Ehrenhaltigkeit erwählt werden kann".

1896 erregte ein Vortrag des amtierenden Präsidenten Albrecht über die Anwendung der Röntgenstrahlen in der Zahnheilkunde erhebliches Aufsehen. Es ist dies die erste Mitteilung über zahnärztliche Röntgenaufnahmen überhaupt.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums - 1888 - widmete ein damals junger Kollege namens Walkhoff sein gerade erschinenes Werk "konservierende Behandlung der Zahnpulpa" dem Verein.

Otto Walkhoff
 

Der Verein erreichte in diesem Jahre die höchste Mitgliederzahl seit seiner Gründung. Er zählte 17 ordentliche Mitglieder, 4 Ehren- und 15 korrespondierende Mitglieder.

Beschäftigte sich der Vorstand anfangs meist mit internen Problemen, z.B. dem Führen von Prozessen wegen falscher Titelführung, so wurden nun die Kontakte nach außen stärker.
Ein wichtiges Thema der Debatten dieser Jahre war die Einführung der freien Zahnarztwahl.

1891 schloss man mit der jungen Ortskrankenkasse Frankfurt einen Vertrag über die Behandlung der Kassenpatienten bei freier Arztwahl. Es waren vorher nur 2 Zahnärzte für die Kasse tätig. Nur Vereinsmitglieder wurden zur Kassenbehandlung zugelassen bzw. waren verpflichtet, Kassenmitglieder zahnmedizinisch zu versorgen.
Dieses Abkommen war nur kurze Zeit gültig, da die Krankenkasse nach einem Jahr die Zulassung von Zahntechnikern verlangte und durchsetzte.

1894 erließ der Verein für seine Mitglieder eine Standesordnung, die die Pflichten gegenüber den Patienten und dem Gemeinwesen festlegte, sowie das Verhalten untereinander regelte.

Hier einige Auszüge aus den Paragraphen:

"Es ist gegen die Würde des zahnärztlichen Standes, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken durch:

  • Reklame
  • öffentliche Anzeigen
  • übergroße Namensschilder an den Häusern
  • Hinweis auf besondere Fähigkelten durch Verteilen z. B. von Karten
  • Namhaftmachung der Lehrherren und Lehrinstitute
  • Veröffentlichung von Zeugnissen
  • öffentlich oder privatim anzupreisen, dass zahnärztliche Hilfe unentgeltlich sei,
  • Veröffentlichung von Krankengeschichten und Operationen in nicht wissenschaftlichen Zeitschriften"

Selbstverständlich war es dagegen jedem Mitglied gestattet, bei Niederlassung oder Wohnungswechsel dem "Publikum" in ortsüblicher Weise Mitteilung zu machen.

Einige der damaligen Vorschriften sind aktuell geblieben, wenn auch heute keiner mehr ein Kalb mit fünf Füßen und zwei Schwänzen als Reklameobjekt zur Schau stellt, wie 1751 geschehen.

Anlässlich des 35. Stiftungsfestes des Zahnärztlichen Vereins eröffnete am 30. 4. 1898 der Vorsitzende Dr. Geist - Jacobi im Senkenbergianum die Versammlung mit einer engagierten Rede, die auch andere Aufgabenstellungen verdeutlicht.

"35 Jahre lang hat dieser Verein die wahre Collegialität auf sein Panier geschrieben und hochgehalten durch alle Kämpfe im Innern und nach außen. In diesem Zeitraum hat die Zahnheilkunde die Phasen durchlaufen, die sie von der Barbierstube bis zur anerkannten Wissenschaft führte".
Weiter: "Wir könnten hier in Frankfurt schon sehr frühe eine zahnärztliche Verbindung nachweisen, da schon 1780 die vier zur Wundärzte - Zunft gehörigen Zahnärzte gemeinschaftlich beim Rathe petitionierten, wenn ein neuer Zahnarzt sich hier niederlassen wollte, oder man sich gegen Kurpfuscher wehrte.
Aber wie verschieden war diese Vereinigung gegen unsere Vereine. Der materielle Standpunkt allein brachte jene zusammen. Gemeinsames Streben kannte man nicht und wissenschaftliche Ziele blieben unbekannt.
Heute ist es anders geworden. Wohl müssen wir auch die materiellen Interessen unserer Mitglieder und Collegen verfechten, aber der Hauptzweck der meisten Vereine liegt darin, die zahnärztliche Wissenschaft zu heben.
Dieses Ziel hat unser Verein seit 35 Jahren stets im Auge gehabt und zur Förderung desselben sind wir heute hier versammelt".

Der Wunsch nach Fortbildung wuchs. 1904 bildete sich ein Komitee zur Vorbereitung von ersten Fortbildungskursen. 

Außerdem wurden "Volksvorlesungen" gehalten, die interessierte Zuhörer populärwissenschaftlich informierten. Auch dem aus Laien und Fachleuten konstituierten "Komitee für Zahnpflege in den Schulen" schloss sich der Verein an.

1910 wurde zusammen mit dem Zahnärzteverband eine Protestversammlung gegen die entstandene Reichsversicherungsordnung und für freie Zahnarztwahl organisiert.

In den Fortbildungsveranstaltungen wurden zwischen 1902 - 1912 folgende Themen bearbeitet:

Prothetik: 45 Vorträge, davon 24 über festsitzenden Zahnersatz, 21 über herausnehmbaren ZE
Kieferorthopädie: 30 Vorträge
Konservierende Zahnheilkunde: 34 Vorträge, davon 17 über Füllungstherapie, 17 über Endodontie.

Unter den Referenten findet man Namen von Zahnärzten, die berühmt und richtungweisend für unseren Beruf wurden, wie z. B, Miller, Sachs, Walkhoff, Parreidt, Witzel u. a.

Um diese Zeit kamen auch die ersten Kontakte zur Rothschildschen Stiftung Carolinum zustande, die dem Verein ihre Räume für dessen Versammlungen zur Verfügung stellte und dessen Bibliothek aufnahm.


Altes Carolinum

Diese Beziehung führte dazu, dass die seit 1879 im Goethe-Haus und 1910 im Senckenbergianum stattfindenden Festsitzungen ab 1911 ins Carolinum verlegt wurden.

Um die Jubiläumsveranstaltung 1913 - "50 Jahre Zahnärztlicher Verein" besonders zu würdigen, wählte der Central - Verein Deutscher Zahnärzte für seine alljährliche große wissenschaftliche Tagung die Stadt Frankfurt am Main.
Ein großes wissenschaftliches Programm veranlasste fast alle zahnärztlichen Dozenten und eine große Zahl von Kollegen aus allen Deutschen Gauen und auch aus dem Ausland hierher zu kommen.

500 Teilnehmer hörten zwei Hauptthemen:
1. Die Extraktion als orthopädische Therapie
2. Das Gussverfahren in der konservierenden Behandlung.

Weitere 36 Vortragende stellten ihre Erfahrungen aus der Praxis zur Diskussion.
Die Tagung stand unter der Leitung des bekannten Münchner Professors Walkhoff.

Ruhig und harmonisch waren die ersten 50 Jahre bis 1914 verlaufen.

Als am 1. August 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, blieben Auswirkungen auf das Vereinsleben nicht aus. Es erlahmte zunächst, konnte sich dann aber allmählich wieder normalisieren.
Während der Kriegsjahre stand die Thematik der Behandlung und zahnärztlichen Versorgung der Soldaten mit Mund- und Kiefer - Verletzungen im Vordergrund.

1912 wurde der Vertrag zur Gründung der Johann - Wolfgang - von - Goethe - Universität von der Stiftung Carolinum als 10. von 11 Stiftern unterzeichnet, was 1914 zur Zulassung der Universität durch Kaiser Wilhelm II. führte. Jetzt wurde die Rothschildsche Stiftung in ein Zahnärztliches Lehrinstitut umgewandelt und ab 1915 der medizinischen Fakultät der neuen Universität angegliedert. 


Stiftungsurkunde der Universität Frankfurt am Main

Am Anfang des Krieges waren Forschung und Lehre bereits eingeschränkt.
Erst mit der Normalisierung des Lebens nach Kriegsende entwickelte sich auch das frühere Vereinsleben ganz allmählich.

Von 1924 bis 1929 war Prof. Otto Loos Vorsitzender unseres Vereins. Durch seine internationalen Kontakte konnte er dem Verein wissenschaftliche Informationen aus erster Hand liefern und gab dem Verein das frühere Ansehen wieder.

Das Verhältnis des Vereins zum Carolinum war vorbildlich. Mitglieder des Lehrkörpers nahmen sowohl an den wissenschaftlichen als auch an den gesellschaftlichen Veranstaltungen teil.


Eingang altes Carolinum, ©Edgar Bönisch, aus: www.juedische-pflegegeschichte.de

Im Mai 1925 richtete der Verein anlässlich seines 62. Stiftungsfestes gemeinsam mit dem "Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands, Landesverband Großhessen", mit dem "Deutschen Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen" und dem "Verein beamteter Zahnärzte" eine große Tagung zum Thema "Die praktische Durchführung der Schulzahnpflege" aus.

Das Vereinsleben mit seiner wissenschaftlichen aber auch standespolitischen Ausrichtung wurde 1934 durch den NSDAP-Beschluss über die Schließung aller Lokalvereine beendet.
1934 erlosch nach 71 Jahren die Eintragung im Vereinsregister der Stadt Frankfurt am Main.



Fortbildung wurde von nun an nur noch an einer vom Regime eingerichteten Akademie betrieben.

In der Nachkriegszeit wuchs das Interesse an wissenschaftlichen Zusammenkünften stetig, das Vereinsleben wurde allmählich wieder aufgebaut.
1949 erfolgte die Neuaufteilung der Länder mit eigenen Regierungen und die Bildung von Kammern.

In Frankfurt wollten ehemalige Mitglieder und junge Kollegen den zahnärztlichen Verein wieder aufleben lassen und stellten am 17. 2. 1959 beim Amtsgericht Frankfurt am Main den Antrag auf Wiedereintragung des Vereins in das Vereinsregister.
Es erging seitens des Amtsgerichts Frankfurt am Main unter dem Aktenzeichen 73 VR 526 der Verwaltungsbeschluss, den Verein wieder in seine alten Rechte einzusetzen, da die damalige Löschung unzulässig gewesen sei. Damit war der Zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main 1863 wieder in seine alten Rechte eingesetzt.

Die Versammlung am 19. Mai 1959 wählte einen neuen Vorstand. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Eisfeld gewählt, der Frankfurter Zahnarzt, der diesen Posten vor dem 2. Weltkrieg zuletzt innegehabt hatte.
Zweiter Vorsitzender wurde, bis zum Jahre 1975, Zahnarzt Fritz Lotz, der langjährige Direktor des dentistischen Instituts in Frankfurt am Main.

Das Fortbildungsangebot vergrößerte sich ständig, die wissenschaftliche Forschung zeigte einen deutlichen Nachholbedarf. Neue Medien wurden eingesetzt, renommierte Professoren eingeladen.

Die Mitgliederzahl stieg bis 1963 innerhalb weniger Jahre auf 100.

In den ersten Sitzungen wurde eine neue Vereinssatzung erarbeitet.
Es wurden Abgrenzungen des Aufgabenbereichs zum Zahnärztlichen Universitätsinstitut sowie dem Fortbildungsauftrag der Landeszahnärztekammer Hessen gezogen, um Überschneidungen von Versammlungen und Vorträgen zu vermeiden.

Die erste wissenschaftliche Sitzung fand am 13. März 1960 statt.

In den nächsten Jahren folgten in etwa monatlichem Turnus weitere Veranstaltungen und Vorträge aus dem Gebiet der Zahnheilkunde sowie den medizinischen Grenzgebieten, in deren Ablauf auch Filmvorführungen eingefügt wurden.

Die Hauptversammlung im Januar 1962 wählte Dr. Armin Wagner zum 1. Vorsitzenden. Er war maßgeblich am Wiedererstehen des Vereins nach dem Krieg beteiligt.

1965 schlug die DGZMK, die 1934 geschaffene Nachfolgeorganisation des Central - Vereins, vor, alle zahnärztlichen Lokalvereine in die Deutsche Gesellschaft aufzunehmen. Nach einer stürmischen Diskussion wurde dieses Ansinnen einstimmig abgelehnt.
Der Zahnärztliche Verein zu Frankfurt wollte seine Selbständigkeit unbedingt behalten.

Anlässlich des 100jährigen Jubiläums, im Jahre 1963, wurde auf Vorschlag von Dr. Armin Wagner beschlossen, eine Otto-Loos-Medaille zur Verleihung an besonders verdienstvolle Persönlichkeiten zu schaffen.

In den folgenden Jahren zeigten sich wieder Ermüdungserscheinungen.
Die Teilnehmerzahlen bei den Veranstaltungen gingen zurück, und bei der Hauptversammlung am 8. Mai 1968 wurde die Frage der Auflösung des Vereins ernsthaft diskutiert. Prof. Thielemann, eine bekannte und international geachtete Persönlichkeit wurde, wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag, zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Trotz seiner Bemühungen wäre die Auflösung des Vereins wohl unabwendbar geworden, wenn sich nicht der damalige Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen, Dr. Erich Singer, mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit für den Zahnärztlichen Verein eingesetzt hätte.
Ihm ist es auch zu danken, dass eine jährliche gemeinsame Fortbildungsveranstaltung des Vereins mit der Zahnärztekammer geschaffen wurde. So entstand die heutige Herbsttagung.

Anlässlich der Hauptversammlung am 16. April 1975 legte Prof. Thielemann den Vorsitz nieder, als Nachfolger wurde Prof. Kreter gewählt.

In seinen Funktionen als Hochschullehrer und Abteilungsleiter im Carolinum, als Landesfortbildungsreferent der LZKH, ein Amt, das er 20 Jahre innehatte, und als Präsident des zahnärztlichen Vereins hat Prof. Kreter sehr viel Engagement gezeigt. Er hat sich insbesondere eingesetzt für Semester-veranstaltungen, Exkursionen zur Industrie oder spezielle Fortbildungs-veranstaltungen für den Verein. Unvergessen bleibt auch „seine“ Jubiläumsfeier zum 125jährigen Bestehen des Vereins in der Alten Oper und die Herbsttagung im Zoologischen Garten mit weit über 300 Teilnehmern.

Prof. Dr.Dr. Friedrich Kreter  

Prof. Kreter hat den Promotionspreis geschaffen, der jährlich vergeben wird und jetzt seinen Namen trägt.

Am 13. Oktober 1993 kandidierte Prof. Kreter, nach einer Amtszeit von 18 Jahren, aus Altersgründen nicht mehr für ein Vorstandsamt.

Dr. Giesbert Schulz-Freywald trat seine Nachfolge als Präsident an.
Er festigte die bestehenden Strukturen und hat die Attraktivität des Vereins durch zusätzliche Fortbildungsveranstaltungen gefördert. Hauptaugenmerk war auch für ihn, die Mitgliederzahl zu vergrößern, um dem Verein auch in diesem Bereich das große Ansehen zu erhalten.
Dr. Schulz-Freywald führte den Verein bis zur Hauptversammlung am 29. Juni 2001.

Die Tendenz zeigt aber, dass auch wir die vielschichtigen Fortbildungsangebote und Fortbildungsmöglichkeiten spüren.
Die Geselligkeit auf Vereinsebene lässt in ganz Deutschland nach.

Aber auch bei nachlassendem Interesse sind wir es unseren Vorgängern schuldig, um das Fortbestehen des Vereins zu kämpfen, wenn sich auch die Strukturen ändern sollten.

Nach wie vor gilt als oberstes Gebot, was § 2 der Satzung beschreibt:
"Zweck des Zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt am Main von 1863 ist die Förderung der zahnärztlichen Wissenschaft in Theorie und Praxis auf nationaler und internationaler Ebene. Dies soll durch wissenschaftliche Vorträge und Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten sowie regelmäßige Zusammenkünfte der Mitglieder erreicht werden. Auch strebt der Verein den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Mitglieder an."

Seit der Mitgliederversammlung am 02.09.2009 ist Prof. Dr. mult Robert Sader der Präsident des Vereins

Neben dem seit Jahren bestehenden Promotionspreis fördert der Zahnärztliche Verein zu Frankfurt am Main seit dem Wintersemester 2009 gemeinsam mit der Zahnärztliche Gesellschaft in Hessen den Nachwuchs mit einer weiteren finanziell und materiell dotierten Auszeichnung, dem "Förderpreis für besonderes kollegiales Engagement".

Am 08. November 2013 konnte der Verein dann sein 150-jähriges Jubiläum in einem Festakt im Frankfurter Römer feiern. Im geschichtsträchtigen Kaisersaal unter den Gemälden der in Frankfurt gewählten deutschen Kaiser erinnerte Professor Sader vor den Mitglieder und Gästen an die Ziele der Gründer des Vereins, die heute noch so aktuell sind wie sie damal revolutionär waren.