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Herbsttagung 2019

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Tag der offenen Tür der LZKH, KZVH, HZV und Herbsttagung des Zahnärztlichen Vereins

Ein reger Andrang bei dem diesjährigen Tag der offenen Tür der Landeszahnärztekammer Hessen (LZKH), der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZVH) Hessen, der Fortbildungsakademie Zahnmedizin Hessen (FAZH) und des Zahnärztlichen Vereins zu Frankfurt am Main von 1863 verquickt mit einem sommerlichen Wetter bestimmte das Bild. Einige weitere Räume mussten geöffnet werden, um die zahlreichen Teilnehmer unterzubringen.

Den Auftakt ließ sich Kammerpräsident Dr. Michael Frank nicht nehmen, indem er in seiner Begrüßung flugs auf die gesellschaftspolitischen Dinge hinwies und mit welcher Geschwindigkeit diese voranschreiten. Dass gerade die IAA wieder zu Gast in Frankfurt und gleichzeitig Fridays for Future demonstriert zeigt dies deutlich. Aber auch Gesundheitsminister Jens Spahn ist nicht gerade sparsam mit Vorgaben. Insgesamt 20 waren es und brachten auch positive Veränderungen im Bereich Pflege

Dr. Michael Frank  

 und die neue Approbationsordnung, um nur zwei zu benennen.

Danach folgte die Vorstellung der beiden neuen Vorstandsmitglieder der KZVH Dr. Dr. Josef Schardt und Dr. Niklas Mangold und die neue Geschäftsführerin der FAZH Frau Jennifer Schmidtberg.

Vereinspräsident Prof. Dr. mult. Robert Sader begrüßte im Anschluss das Auditorium mit einem Dank dafür, dass der Zahnärztliche Verein hier gemeinsam mit der LZKH und der KZVH das Programm ausgestalten durfte. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es Veränderungen im Umfeld der Zahnmedizin gibt. Gemeint sind der deutliche Zuwachs der Zahl der Zahnärztinnen, die zunehmende Gründung von Großpraxen, die Einmischung von Investoren in den Markt, die neue Approbationsordnung, die bereits seit Jahren sehnlichst erwartet wurde und die Veränderung in der Zahntechnik. Letzten Endes sitzen wir alle in einem Boot und sollten „an einem Strang ziehen“ und die Kollegialität stärken.
  Prof. Dr. mult. Robert Sader

Er erinnerte an die Gründungsjahre des zahnärztlichen Vereins. Die Kollegialität war 1863 so gut wie nicht vorhanden. Es gab Einzelpraxen mit mehr oder weniger versierten Kollegen und Universitäten. Um den Berufsstand voran zu bringen gab es erste Zusammenschlüsse von Kollegen.

Alsdann kam der traditionelle Programmpunkt der Verleihung des Friedrich-Kreter-Promotionspreises nicht ohne den kleinen Hinweis, dass der Namensgeber des Preises in diesem Dezember 100 Jahre alt geworden wäre. Es ist der älteste Promotionspreis in Deutschland und wurde diesjährig an Dr. Konstantin Scholz aus der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie Regensburg verliehen.
Dr. Konstantin Scholz     Prof. Dr. Robert Sader  

Der Titel der Promotion lautet: „Langzeitbewährung und Überlebensrate von monolithischen polymerinfiltrierten keramischen CAD/CAM Seitenzahnrestaurationen“.Der Preis ist mit 1.000,- Euro dotiert, dazu erhält der Preisträger einen Bembel mit Vereinswappen, eine Dose Äppelwoi und die Festschrift zum 150-jährigen Vereinsjubiläum. Dr. Scholz referierte im Anschluss an die Preisverleihung über den Inhalt seiner Promotionsarbeit.

Es schloss Prof. Sader mit dem Hinweis auf die Frühjahrstagung am 11.03.2020 mit den Referenten Prof. Dr. Georg Meyer und Dr. Dieter Reusch mit dem Thema Ästhetik und Funktion und die nächste Herbsttagung mit Prof. Dr. Frank Schwarz mit dem Titel „Eine Abteilung stellt sich vor“ am 17.09.2020

Es folgte der erste Referent Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung Parodontologie des Universitätsklinikums Würzburg mit dem Thema Prä- und Probiotika in der Therapie parodontaler Erkrankungen. Die Plaquekontrolle steht im Zentrum zahnärztlichen Tuns. Aber sind nur tote Bakterien gleich gute Bakterien? Jeder von uns hat Porphyromonas gingivalis und Tannerella fortensisin seiner

  Prof. Dr. Ulrich Schlagenauf

 

Mundflora aber kommensale Keime umgeben diese und dadurch wird deren Wachstum gehemmt.Durch eine Entzündungsreaktion wird aber diese kompetitive Hemmung reduziert und in der Folge werden die kommensale Bakterien eliminiert und es kommt zur Persistenz der Pathobionten. Proteinreiches Substrat und fehlende Konkurrenten führen zum Überwachsen parodontitisassozierter Keime, dass heißt zur Dysbiose.

Dass das Substrat die treibende Kraft ist, wurde mithilfe einer „Steinzeit-Diät“ bewiesen. Die schädigende Noxe Zucker wurde für 4 Wochen bei den Probanden entzogen.

Es wurden nur Wildgemüse, Wildfrüchte, Wildgetreide, Ziegenfleisch und Fisch verabreicht ohne Zuckerzusatz. Im Gegenzug gab es keine Zahnbürste oder Zahnpasta. Hierdurch verstärkte sich die Plaquemenge erwartungsgemäß aber das Bleeding on Probing ging zurück. Der Schluss war, dass man über eine veränderte Ernährung die Entzündung modulieren konnte

Frau PD Dr. Yvonne Jockel-Schneider, Oberärztin im Team von Prof. Schlagenhauf stellte im zweiten Vortrag die aktuelle AWMF-Leitlinie zur adjuvanten Antibiotikagabe im Rahmen der parodontalen Therapie vor, welche auf der EuroPerio in Amsterdam im Juni 2018 veröffentlicht wurde. Erstmals wurde die parodontale Gesundheit bei intaktem und reduziertem Parodontium definiert. Die Begriffe chronisch und aggressiv wurde durch „Staging“ und „Grading“ ersetzt. Was sich zunächst als schwierig anhört ist dennoch eine Erleichterung in der täglichen Arbeit
Pd. Dr. Yvonne Jockel-Schneider  

und nach einigen Wochen in Fleisch und Blut übergegangen. Das Staging beschreibt das Stadium einer Parodontitis hinsichtlich Ihres Schweregrades und Komplexität und teilt sie in vier Kategorien von I-IV ein. Das Grading, also der Grad der Erkrankung gibt eine Auskunft über die Prognose in den Graden A (geringes Risiko) – c (hohes Risiko für die Krankheitsprogression).  Es erfolgt eine einzige Diagnose für das gesamte Gebiss. Des Weiteren ist diese Art der Einteilung eine Hilfe für die sich anschließende UPT.

Die adjuvante Antibiotikatherapie war Ziel einer S3-Leitlinie mit der Frage: Gibt es eine Evidenz zur Antibiotikagabe und welche Patienten profitieren davon? Es stellte sich heraus, dass die Antibiotikagabe nur im Zusammenhang mit Scaling sinnvoll ist und dass Patienten ab dem 55. Lebensjahr nicht mehr von der Antibiotikagabe profitieren. Des Weiteren ist eine Keimanalyse nicht sinnvoll da es sich um eine Dysbiose handelt und viele Keime nicht detektiert werden. Es werden ohnehin nur 4-6 von über 700 Keimen getestet.

Vor der wohlverdienten Mittagspause stellte noch Dr. Hans Jürgen Nonnweiler unter dem Titel HZV gestern, heute und morgen die erfolgreiche Arbeit der Hessischen Zahnärzteversorgung vor. Hierzu stellte er Bezug auf die zeitgleich stattfindenden historischen Dinge nach Gründung der HZV im Jahr 1959. Die HZV darf wohl zurecht als eine Erfolgsstory angesehen werden. Durch geschicktes Handeln und durch Zuwachs vieler neuer Mitglieder wuchs das Vermögen bis 1994 auf 1 Milliarde D-Mark bis auf den heutigen Bestand in Höhe von 2 Milliarden Euro an.
  Dr. Hans Jürgen Nonnweiler

Einige Reaktionen auf gesetzliche Bestimmungen führten zur Anpassung der Satzung. Momentan sind unter anderem einige Investitionen in Immobilien recht erfolgreich, so dass auch im Hinblick auf die Flexibilität des Renteneinstiegsalters in der Zukunft der Mitglieder für eine gute Performance gesorgt ist.

Nach dem sich alle Teilnehmer beim Mittagessen gestärkt hatten, stellte Dr. Michael Frank den letzten Referenten vor: Prof. Dr. Frank Schwarz, den Leiter der Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie und Implantologie des Carolinums. Prof. schwarz stellte die Ergebnisse des Workshops „Bone Regeneration“ der European Federation of Periodontology vor.

Bei den Biomaterialeien haben sich native Kollagenmembranen als Goldstandard durchgesetzt. Durch Ihre Semipermeabilität fördern sie die Angiogenese, außerdem sammeln sie Wachstumsfaktoren wie ein Schwamm und wirken so osteokondutiv. Bei der Ridge Preservation lautet die Empfehlung, nicht sofort zu implantieren, sondern die Extraktionsalveole mit Knochenersatzmaterial zu füllen und mit einem Punch zu „versiegeln“. Der Defekt ist damit vorbereitet und bei der Implantation 4-6 Monate später ist dann weniger oder keine Augmentation notwendig. Zum Schluss kam Professor Schwarz

Prof. Dr. Frank Schwarz  

auf die Knochenaugmentation zu sprechen.Simultanes Augmentieren gilt heute als Risikofaktor für eine spätere Periimplantitis. Ein zweizeitiges Vorgehen hat sich vorteilhaft erwiesen. Hinsichtlich der lateralen Augmentation hat der autologe Knochen seinen Platz als Goldstandard verloren. Der Weg geht hier zu partikulären xenogenen Material und einer nativen Kollagenmembran.

Mit diesem Vortrag beendete Prof. Schwarz diese hochkarätige Fortbildungsveranstaltung am Tag der offenen Tür und Stephan Allroggen als Vorstandsmitglied der KZVH entließ die Anwesenden in den sonnigen Nachmittag.

Zuletzt geändert am: 31.10.2019 um 09:34

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